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Kaufen oder mieten in der Schweiz: die Rechnung, die niemand macht
Publiziert am 21. Juli 2026 · Aktualisiert am 21. Juli 2026
In der Schweiz ist die Kaufen-oder-Mieten-Debatte voller Klischees. Die Realität: Mit einer der tiefsten Eigentumsquoten Europas und hohen Preisen hängt die Antwort von einer Rechnung ab — nicht von einem Glauben. Hier ist sie, vollständig.
Schritt 1 — Kannst du kaufen? Die zwei Bankregeln
- Eigenmittel: mindestens 20% des Preises, davon 10% ausserhalb der Pensionskasse. Bei einem Objekt für CHF 800'000: CHF 160'000, plus je nach Kanton rund CHF 25'000 bis 40'000 Kaufnebenkosten.
- Tragbarkeit: (Hypothek × kalkulatorische 5%) + Unterhalt (1% des Werts) + Amortisation müssen unter ~33% des Brutto-Haushaltseinkommens bleiben.
| Posten (Bankrechnung) | Jahresbetrag |
|---|---|
| Kalkulatorische Zinsen (5% × 640'000) | CHF 32'000 |
| Unterhalt (1% × 800'000) | CHF 8'000 |
| Amortisation (2. Rang über 15 Jahre) | ≈ CHF 7'100 |
| Total kalkulatorische Kosten | ≈ CHF 47'100 |
| Erforderliches Brutto-Jahreseinkommen (~33%) | ≈ CHF 143'000 |
Illustratives Beispiel — Wohnung CHF 800'000, Hypothek CHF 640'000
Schritt 2 — Die echten Kosten des Eigentums
Als Eigentümer sind deine echten Kosten nicht die Monatsrate: Es ist die Summe der nicht rückholbaren Kosten — effektive Zinsen, Unterhalt, Versicherungen, objektbezogene Steuern — plus die Opportunitätskosten: Die gebundenen CHF 160'000 Eigenmittel bringen anderswo keine Rendite mehr. Die Amortisation dagegen ist kein Kostenpunkt: Sie ist Zwangssparen.
Schritt 3 — Der ehrliche Vergleich
Illustratives Beispiel mit einem realen Hypothekarzins von 2%: Zinsen CHF 12'800 + Unterhalt CHF 8'000 + Opportunitätskosten der Eigenmittel (~3% von 160'000 = CHF 4'800) ≈ CHF 25'600 nicht rückholbare Kosten pro Jahr, ohne Steuern. Liegt die Miete einer gleichwertigen Wohnung darunter UND legst du die Differenz an, kann Mieten finanziell gewinnen — in den grossen Städten oft der Fall. Umgekehrt gewinnt Kaufen häufig in der Agglomeration oder bei langem Horizont und tiefen Zinsen. Die Steuern (Eigenmietwert, Abzüge — mitten in der eidgenössischen Reform) können die Rechnung kippen: Prüf die Rechtslage im Moment deiner Entscheidung.
Das SFM-Entscheidungsraster
- Horizont: weniger als 7–8 Jahre am Ort? Kauf- und Verkaufskosten fressen den Gewinn fast immer — miete.
- Stabilität: schwankendes Einkommen oder Pläne zur Selbstständigkeit? Behalte die Flexibilität des Mieters.
- Echte Kapazität: Leert der Kauf dein Erspartes und deine Pensionskasse komplett, bist du beim ersten Zwischenfall verletzlich.
- Langfristperspektive: Gehen die Zahlen auf UND siehst du dich 10 Jahre und mehr dort, bringt Eigentum Stabilität und Zwangssparen.
Wichtige Erinnerung
Alle Zahlen sind illustrative Beispiele; Zinsen, Preise und Steuerregeln variieren nach Kanton und Zeitpunkt. Lehrreicher Inhalt — lass deinen Finanzierungsplan vor jeder Verpflichtung prüfen.
Häufige Fragen
Wie viel Eigenmittel braucht es für einen Kauf in der Schweiz?
Mindestens 20% des Kaufpreises, davon mindestens 10% «hartes» Eigenkapital (Erspartes, Säule 3a) — die Pensionskasse (BVG) kann die andere Hälfte ergänzen. Rechne je nach Kanton 3 bis 5% für Notar und Handänderungssteuer dazu.
Warum rechnet die Bank mit einem Satz von 5%?
Das ist der «kalkulatorische» Tragbarkeitssatz: Die Bank prüft, ob Hypothek zu 5%, Unterhalt (1% des Werts) und Amortisation unter rund 33% deines Bruttoeinkommens bleiben — auch wenn der reale Satz viel tiefer liegt. Ein Schutz gegen Zinsanstiege.
Ist Mieten Geld zum Fenster hinauswerfen?
Nein: Auch Eigentümer zahlen nicht rückholbare Kosten (Zinsen, Unterhalt, Steuern, Opportunitätskosten der Eigenmittel). Der echte Vergleich lautet «Eigentümerkosten gegen Miete + Anlage der Differenz» — und er hängt von Zinsen, Kanton und Dauer ab.
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